Interview mit Christian Lange

Christian LangeEnde letzten Jahres ist mit Caldaia der 125. Roman aus der Welt des Schwarzen Auges erschienen. Der Titel ist eine Liebeserklärung an den namensgebenden, politisch geteilten Landstrich zwischen Garetien und Almada.
Grund genug, unsere nandusgefällige Neugier zu wecken und an diese Stelle dem Autor Christian Lange einige Fragen zu seinem Debütroman zu stellen.


Nandurion:
Wie bist du zum Schreiben gekommen, Christian? War das ein lang gehegter Traum oder ist das eher zufällig passiert?

Christian Lange: Lesen ist schon sehr lange eine meiner wichtigsten Freizeitbeschäftigungen. Dabei entsteht fast zwangsläufig der Gedanke, auch selbst einmal etwas zu schreiben. Ich fand den Gedanken immer schön, dass man als Leser nicht nur aus dem großen gemeinschaftlichen Bücherfundus konsumieren sollte, sondern auch etwas an diesen Bücherfundus zurück geben sollte.
Am Schreiben probiert hab ich mich schon seit der Schulzeit. Das waren aber eher kleinere Geschichten. Erst seit ein paar Jahren sind es längere Stücke. Caldaia ist sicher das Längste, was ich bisher geschrieben habe.

Nandurion: Was treibst Du, wenn Du nicht gerade schläfst, arbeitest oder schreibst?

Christian Lange: Lesen! Das ist ganz klar meine Hauptbeschäftigung, dazu ein bisschen Sport, ab und an mit dem Fotoapparat losziehen oder Freunde treffen.

Nandurion: Wo wir gerade beim Lesen sind: Welche Titel finden sich noch in deinem Bücherregal? Gab es ein Buch in den letzten zwölf Monaten, das dich wirklich restlos begeistert hat?

Christian Lange: Abgesehen von den ca. 130 DSA-Romanen? Da ist vieles zu finden. Letztes Jahr habe ich z.B. viel von Markus Heitz gelesen, dessen Bücher mich mal mehr, mal weniger begeistern. Dazu habe ich die Chroniken der Nebelkriege von Thomas Finn und die leider unvollendete Gezeitenwelt gelesen. Dazu noch ein paar Krimis.

Nandurion: Welche der bisherigen DSA-Romane haben dein Bild von Aventurien denn besonders geprägt?

Christian Lange: Ich gehöre zu Gruppe der Vielleser, habe also fast jeden DSA-Roman gelesen und zu Hause im Regal stehen. Allerdings kann ich nicht sagen, dass mich ein spezieller Roman geprägt hätte. Mich fasziniert eher die Bandbreite der Bücher die man bei DSA findet, von der historischen Erzählung, über Erlebnisse der vielen „normalen“ Helden bis hin zu den epischen Themen.
Ansonsten sind es eher Autoren, die mich besonders angesprochen haben. Das sind Leute wie Thomas Finn, Alexander Wichert oder Daniela Knor.

Nandurion:
Auf welchem Weg bist du zum Rollenspiel und speziell zu DSA gekommen?

Christian Lange: Ich hab 1993 zwölf heilige Monde in Uniform verbracht. Die Abende wurden da meist sehr lang und eines Tages brachte einer meiner Kameraden eine seltsame Pappbox mit.  Das muss wohl die erste DSA-Basisbox gewesen sein. Von da an verbrachten wir die Tage in Uniform und die Abende in Aventurien.
Ich hab mir dann auch jene Box besorgt und das Spiel meinen Freunden zuhause gezeigt. Anfangs war die Begeisterung mäßig, doch dann wurde aus mäßig regelmäßig. Bis zum Ende unserer Studienzeit haben wir nahezu jedes Wochenende gespielt.

Nandurion:
Spielst du derzeit aktiv DSA? Bist du eher als Spieler oder Spielleiter aktiv? Spielt ihr dabei offizielle Abenteuer, oder magst du lieber selbstgeschneiderte Szenarien?

Christian Lange: Auch wenn es im fortgeschrittenen Alter immer schwieriger wird, gemeinsame Termine für vier oder mehr Personen zu finden, bringe ich es inzwischen wieder auf ca. sechs DSA-Runden pro Jahr. Meist bin ich dabei der Meister. Dabei spielen wir meist offizielle Abenteuer, da diese dann doch weniger Zeitaufwand bei der Vorbereitung brauchen.

Nandurion:
Gibt es eine bestimmte Gegend in Aventurien, die dir sehr am Herzen liegt und die du besonders gern bespielst oder beschreibst?

Christian Lange: Natürlich. Der Roman Caldaia spielt nicht von ungefähr in der garetischen Grafschaft Eslamsgrund. In der dortigen Baronie Fremmelsfelde bin ich seit einigen Jahren als Briefspieler aktiv.

Nandurion:
Wie dürfen wir uns dich beim Schreiben vorstellen? Arbeitest du nach einem bestimmten Prinzip?

Christian Lange: Feste Schreibzeiten habe ich nicht. Nach einem Tag im Büro hat man nicht immer Lust, sich nochmal für ein paar Stunden vor den Rechner zu setzen.  Entsprechend bin ich ein unregelmäßiger Schreiber. Wenn ich Zeit und Lust hab, schnappe ich mir mein Notebook, suche mir einen bequemen Platz auf der Couch und schreibe los.

Nandurion: Gibt es etwas was auf deinem Schreibtisch keinesfalls fehlen sollte?

Christian Lange: Verschiedene Quellenbände liegen immer um das Notebook herum, dazwischen tigert meist eine unserer Katzen umher. Ansonsten bin ich ein genügsamer Autor.

Nandurion:
Was steht bei deiner Arbeit am Anfang? Der Plot, eine Figur, eine bestimmte Szene, das (dramatische) Finale, das Genre? Wie war das speziell bei deinem neuen Roman?

Christian Lange: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Mal kann eine besondere Figur am Anfang stehen, mal eine bestimmte Szene oder ein überraschendes Ereignis. Dazu mache ich mir dann ein paar Notizen und lege diese dann beiseite. Meist entwickelt sich aus solchen Ideen nichts. Aber einige dieser Ideen setzen sich doch im Kopf fest und entwickeln sich nach und nach. Wenn ich irgendwann ein grobes Konzept im Kopf habe, setze ich mich hin und versuche daraus eine Art Exposé zu schreiben.
Bei Caldaia war es eine besondere Situation, weil sowohl die Hauptfigur, als auch das besondere Ereignis bereits von einem offiziellen Abenteuer vorgegeben waren.

Nandurion: Hast du literarische Vorbilder? Welche Schriftsteller haben dich am meisten beeinflusst?

Christian Lange: Abgesehen von den oben Genannten, die ja alle auch außerhalb von DSA schreiben, gibt es einige die ich gerne lese, z.B. Andreas Eschbach oder Henning Mankell. Als Vorbilder würde ich sie aber alle nicht bezeichnen. Schließlich will ich niemanden kopieren, sondern meinen eigenen Stil finden.

Nandurion: Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn dem so sein sollte, welche Musik bevorzugst du?

Christian Lange: Beim Schreiben höre ich selten Musik. Zuweilen lasse ich etwas Instrumentales im Hintergrund laufen, aber Musik mit Gesang lenkt dann doch zu sehr ab. Schreiben macht zwar Spaß, ist aber auch Arbeit bei der man sich konzentrieren muss.

Nandurion: Wie bist du auf die Idee für deinen aktuellen Roman gekommen?

Christian Lange: Aus reiner Frustration. Nein, im Ernst, es gibt die Anthologie Sphärenkräfte und darin das Abenteuer Vergessenes Wissen. Dieses Abenteuer spielt unter anderem in der Baronie, die ich als Briefspieler betreue. Als das Abenteuer erschien, habe ich mich zum einen gefreut, dass „meine“ Baronie in einer offiziellen Veröffentlichung erscheint, aber auch geärgert, weil ich als Briefspieler mit den „Hinterlassenschaften“ dieses Abenteuers fertig werden musste.
Daraus entstand schnell die Idee, die Geschichte der Hauptfigur einfach aufzugreifen und selbst etwas Offizielles dazu zu verfassen. Da ich kein guter Abenteuerschreiber bin, kam nur ein Buch in Frage.

Nandurion:
Caldaia beginnt zur Zeit der Magierkriege. Konntest du hier auf Hintergrundmaterial zurückgreifen, oder durftest du weitgehend selbst kreativ bei der Ausarbeitung sein?

Christian Lange: Ich fühle mich beim Schreiben wohler, wenn ich verschiedene Quellen heranziehen kann und meine Geschichte am Gerüst existierender Fakten abstützen kann. Das war bei den Magierkriegen schwierig, weil es wenige Fakten zu meinem Thema gab. Entsprechend habe ich mich da auch zurückgehalten.
Für die aventurische Gegenwart gibt es natürlich eine Menge Quellen die mir zur Verfügung standen. Abgesehen von den offiziellen Veröffentlichungen, war die Wiki Aventurica immer ein wichtiger Anlaufpunkt. Am Wichtigsten war aber die Seite der garetischen Briefspieler. Hier konnte ich alle nötigen Informationen finden.

Nandurion: Wie aufwändig waren deine Recherchen? Fandest du es bereichernd oder sogar einschränkend, eine derart detaillierte Welt mit deinen Worten zu beschreiben?

Christian Lange: Die Recherchen im Vorfeld waren schon sehr aufwändig. Zwar finde ich es toll, dass Aventurien so detailliert beschrieben ist, aber man läuft als Autor auch stets in Gefahr, irgendein Detail zu übersehen, dass den Lesern aber sofort ins Auge springt. Das Ganze ist also eine sehr zweischneidige Sache.
Man ist hier also auf geübte Testleser angewiesen, die das Buch viel unvoreingenommener lesen, als man es selbst kann und solche Fehler aufspüren.

Nandurion: Insbesondere Magier haben in deinem Roman einen recht schweren Stand und wirken oft wenig vertrauenswürdig. Liegt das vielleicht an einer persönlichen Abneigung, oder schreibt der Hintergrund deiner Geschichte dieses Misstrauen vor?

Christian Lange: Ich habe keine Abneigung gegen Magier. Der negative Unterton in meinem Roman stammt aus der Gegend in der Caldaia spielt. Die Gegend wurde durch die Magierkriege schwer getroffen, so dass dort noch heute eine Abneigung gegen Magie aller Art existiert. Als Spieler habe ich natürlich auch einen Magier, den ich sehr gern spiele.

Nandurion:
Was hat deine Leidenschaft für Aventurien bis heute erhalten?

Christian Lange: Die Antwort auf diese Frage wüsste ich auch gern. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Ich nehme an, dass mich die Mischung aus Detailtreue und Vielseitigkeit fesselt. Es gibt so viele Regionen auf Dere, so viele Heldentypen, so viele Geschichte, dass es einem nie langweilig wird.

Nandurion:
Verfolgst du andere Schreibaktivitäten? Hast du vielleicht bereits neue Projekte, über die du uns etwas verraten kannst ?

Christian Lange: Natürlich hat das Schreiben Lust auf mehr gemacht. Es ist einfach ein tolles Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, das man selbst geschrieben hat.
Im Moment bin ich dabei, Escalias Geschichte im garetischen Briefspiel weiter zu schreiben. Eine Fortsetzung in Romanform wird es aber wohl nicht geben.
Aber es gibt noch genug Ideen in meinem Kopf, aus denen mal ein Buch werden könnte.

Nandurion: Zum Abschluss noch ein paar kurze Entweder-Oder-Fragen.
Kaiser Selindian oder Kaiserin Rohaja?

Christian Lange: Kaiserin Rohaja natürlich!

Nandurion: Galotta oder Haffax?

Christian Lange: Haffax

Nandurion: Ferdoker oder Yaquirtaler?

Christian Lange: Weder noch, aber könnte ich ein Glas Ziegenmilch haben? 😉

Nandurion: Herzlichen Dank Christian, dass du dir Zeit für unsere Fragen genommen hast.

Das Interview führte Eevie.

Ein Kommentar zu Interview mit Christian Lange

  1. Noch eine kleine Ergänzung von mir.

    Wer wissen möchte, wie es mit Fremmelsfelde und Escalia weitergeht, findet unter dem Link eine Übersicht der Folgegeschichten aus dem garetischen Briefspiel.

    Gruß
    Christian

    http://www.garetien.de/index.php?title=Caldaia_(Roman)

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