Interview mit Ralf Kurtsiefer

Im kommenden Monat erscheint Ralf Kurtsiefers Soundtrack CD Musica Myrana für den Kontinent Myranor. Ein guter Grund für uns sich mit ihm unterhalten, über seine Leidenschaft zur Musik, seine Arbeit an der Musica Myrana und kindgerechten Rollenspielen.

Nandurion: Wie bist du zum Komponieren gekommen? War das für dich schon immer ein Berufswunsch oder kam es eher aus einer Laune am Spieltisch heraus?

Ralf Kurtsiefer: Ich hab mich schon immer sehr für Musik interessiert. Das hat sich früher so geäußert, dass ich mir zum Geburtstag einen Radio-Kassettenrecorder (das ist so ne Art iPod aus grauer Urzeit) gewünscht hab und dann nächtelang Radio gehört hab, nur weil ich gehofft hab, dass sie endlich mal „Flash Gordon“ von Queen spielen. (Zur Erklärung: Einfach runterladen ging damals nicht und mit Queen ist nicht die Königin aus England gemeint.) Später, als die Breakdance-Welle rüberschwappt, hab ich dann den 2ten Platz im Bravo Breakdance Wettbewerb gemacht (Vorentscheid in Porz). Dann wurde ich DJ … ähm, das waren Leute, die haben schwarze große Scheiben … ach vergiss es … ich war Plattenleger. Zur ungefähr selben Zeit hab ich angefangen, mit dem C64 Musik zu machen. Am Anfang eigentlich mehr Hiphop … Deutscher Rap, wenn du willst, schick ich dir ein altes MP3 zu (Beispiel gefällig?). Ein richtiges Instrument hab ich nie gelernt. Dennoch hab ich das Glück gehabt, im Musikunterricht während des Abi sehr viel über Musiktheorie zu lernen. Irgendwann hab ich angefangen, DSA zu spielen und Filmmusik mochte ich eh schon immer. Also hab ich angefangen, Musik inspiriert von DSA zu komponieren. Am Anfang wollte ich für jeden Gott ein Stück komponieren … aber daraus ist nie was geworden, weil dann vor allem durch das Internet immer mehr Aufträge auf mich zukamen.

Nandurion: Für welche Projekte hast du seitdem komponiert?

Ralf Kurtsiefer: Angefangen hat das mit einem Autor (Michael Thiel), der eine eigene Rollenspielwelt kreieren wollte. Dem hab ich vor allem Musik zu seinem Hörbuch geschrieben. Dann hab ich den Nico Mendrek ich glaub bei irgend einer Community mit VZ kennen gelernt. Der suchte dringend einen, der Musik zu seinem Film Leuenklinge komponiert. Parallel hab ich dann noch den Alex vom Nackter Stahl auf der Feencon in Bonn kennen gelernt. Für ihn hab ich ein Doppelalbum (eins für Arcane Codex, eins für Frost Zone) komponiert.

Nandurion: Unter Kennern bist du bekannt für deine kostenlose Rollenspiel-Musik. Wie war für dich der Schritt zur (ersten?) kommerziellen Musik-CD?

Ralf Kurtsiefer: Dazu wurd ich gerne drei Sachen sagen:
1.) Dass ich für Myranor komponieren durfte, hab ich glaub ich vor allem dem Nico und dem Patric zu verdanken. Dem Nico, weil er den Patric gefragt hat, und dem Patric, weil er ein Herz für nervige Komponisten hat.
2.) Zum Thema kostenlos: Also ich werd versuchen, immer wieder mal was kostenlos raus zu hauen, weil ich der Überzeugung bin, dass ein Künstler, der eine Botschaft hat, vor allem ein Ziel haben sollte: nämlich, dass er gehört wird und nicht reich zu werden.
3.) Glaub mir, ich werde jeden Euro, den ich verdiene, eh wieder in die Musik stecken, aber leider denken viele, was nichts kostet kann auch nicht gut sein … insoweit hast du vollkommen Recht, der Schritt zur kommerziellen Musik-CD ist wichtig und musste sein.

Nandurion: Wie kam es zu der Idee mit der „Musica Myrana“ CD?

Ralf Kurtsiefer: Die hatte Patric. Ich hab mich durch das Projekt natürlich eingehender mit Myranor beschäftigt und gemerkt: Der Spielspaß, den man mit Myranor haben kann, wird unterschätzt. Viele haben Vorurteile und denen entgeht echt was, wenn sie es nicht mal probieren. Ich will mit meiner Musik einen weiteren Weg nach Myranor ebnen … eben einen musikalischen Weg. Er soll helfen, dass man sich in Myranor schneller wohl fühlt und sich dort schnell eingewöhnen kann, indem ich das Myranor-Feeling musikalisch beschreibe.

Nandurion: Wie kann ich mir die Arbeit an einem Track für die CD vorstellen? Gab es viele Vorrausetzungen von Peter Horstmann?

Ralf Kurtsiefer: Peter war super. Überhaupt hat die Arbeit mit dem Team von Uhrwerk sehr viel Spaß gemacht. Zuerst haben wir über ein Konzept nachgedacht … das hat mir geholfen, festzustellen, was die Uhrwerker so wollen. Daraus sind dann erste Ideen entstanden. Bspw. wollte Peter ein Stück, das die Athosphäre des Imperiums widerspiegelt. Daraus sind dann gleich mehrere Stücke entstanden. Die Imperium-Stücke bspw. klingen alle ein bisschen nach Ben Hur.

Nandurion: Werden wir auf der CD die bekannten Themen aus den Orkenspalter-TV-Myranor-Trailer wiederfinden? Und inwieweit?

Ralf Kurtsiefer: Ja, das haben wir auch drauf gepackt. Das war Patrics Wunsch. Mir gefällt das Stück auch.

Nandurion: Gibt es schon ein paar Hörproben als Vorgeschmack?

Ralf Kurtsiefer: Ich hoffe ja … ich hab auf jeden Fall einiges vorbereitet. Ein Track ist auf jeden Fall im aktuellen Video zur Verbotenen Kammer zu hören, das ich speziell für das gleichnamige Soloabenteuer geschrieben habe. Was ansonsten so als Vorgeschmack erscheinen soll, wird Uhrwerk entscheiden.

Nandurion: Die DSA-Soundtracks zu u.A. der Königsmacher-Kampagne lieferten den Käufern noch ein paar kostenlose Bonustracks. Können wir bei der „Musica Myrana“ auch damit rechnen?

Ralf Kurtsiefer: Oh je, was sag ich jetzt? Also, der Patric muss das entscheiden … von mir aus klar.

Nandurion: Myranor strukturiert sich langsam neu und es steht zu vermuten, dass zukünftig weitere myranische Regionen detaillierter beschrieben werden. Sind vielleicht schon weitere CDs für andere myranische Regionen oder gar als Unterstützung für Abenteuer angedacht?

Ralf Kurtsiefer: Das find ich ne super Idee. Ich versprech auf jeden Fall die Macher so lange zu nerven, bis sie mir den Auftrag geben … ach ja: Ich hätte ein Argument mehr, wenn ihr alle die CD kauft. 😉

Nandurion: Gab es Musik oder musikalische Ideen, die dir als Inspiration für diese CD gedient haben?

Ralf Kurtsiefer: Ja, viele … Peter wollte ja, dass sich das Imperium nach Ben Hur anhört. Also hab ich mal nachgesehen, wie die Musik da so komponiert wurde, ohne gleich zu klauen. Die Stilmittel haben wir dann übernommen. Einmal schickte mir dann Peter ein Video mit „Komm doch mit auf den Underberg“ zu. Er wollte was Fröhliches, also hab ich ihm so was komponiert. Aber es ist nicht auf die CD gekommen. Ich würde sagen, die ganze CD hat eher einen orchestralen und ernsthafteren Klang. Wenn du es mit dem Sound von Erdenstern vergleichst: Erdenstern benutzt die Wiener Philharmoniker, deren Klang ist edel, aber etwas dünner auch feiner; ich benutze das Orchester von East-West … das klingt etwas mehr nach Hollywood und „big score“, fett.

Nandurion: Gehst Du eher von musikalischen Ideen aus und fragst Dich dann, wozu diese passen? Oder versuchst Du, bestimmte Assoziationen, Vorstellungen und Bilder gezielt in musikalische Ideen umzusetzen?

Ralf Kurtsiefer: Beides. Ich hab auch schon mal ein Stück für ein bestimmtes Thema verhauen, es hat uns dann aber so gut gefallen, dsas wir es woanders, wo es besser passte, reingsteckt haben.
Meistens versuch ich aber, auf den Punkt das zu treffen, was der Kunde (in dem Fall der Peter) erwartet. Mach ich ein exotisches Stück, dann benutze ich exotische Scalen, Instrumente … einmal haben wir sogar eine Sängerin aus Indien einfliegen lassen (Scherz) … aber etwas Wahres ist dran: Eine indische Sängerin ist drauf auf der CD.

Nandurion: Wofür finden wir wegen fehlender Umsetzbarkeit keine musikalische Untermalung auf der CD? In der Redaktion wurde der Krönungsmarsch der Chrattac vermutet.

Ralf Kurtsiefer: Nix! Alles ist umsetzbar. Die Chrattac sind auch drauf.
Musik kann alles, wo Worte versagen.

Nandurion: Würde die Erfindung des Klang-Synthaethisierers durch myranische Arcanomechaniker das zukünftige Komponieren für dieses Setting erleichtern?

Ralf Kurtsiefer: Eine geile Idee! Ich fände es super, wenn Musikfutzies wie ich Einfluss auf die Ideen der Schreiber hätten. Wie wäre es mal so? Ich komponiere ein Stück und die Redakteure von Uhrwerk kreieren danach eine Region? Ich komponier eine CD und ein Autor schreibt danach einen Roman? Oder wir machen eine Myranor-Oper?

Nandurion: Kannst du dir vorstellen, auch Musik für andere Rollenspielsysteme und Welten zu machen, oder ist da vielleicht sogar schon was in Planung?

Ralf Kurtsiefer: Sag ich nicht.

Nandurion: Neben dem Komponieren arbeitest du noch an einem anderen Projekt: Zeit für Helden. Worum handelt es sich dabei genau?

Ralf Kurtsiefer: Zeit für Helden soll einmal den Fantasy-Nachwuchs fördern und es soll das Rollenspielsystem für Pazifisten werden. Bei Zeit für Helden kannst du alles machen, was es auch in DSA gibt, aber es soll einfacher sein und das System belohnt diejenigen, die nach einer friedlichen Lösung für Konflikte suchen. Also wir tun nicht so, als ob es keine Gewalt gäbe, aber wir komitten uns klar dagegen. Es ist die Ultima Ratio. Das System ist auf der Seite der Friedlichen und wem es anfängt, Spaß zu machen, Orks zu meucheln, bekommt bei uns Alpträume und kann nicht mehr regenerieren.
Das System ist komplett kostenlos. Wer Lust hat und ein Moralapostel ist wie ich, kann übrigens gerne mitmachen. Is ja für die Kinder!

Nandurion: Gibt es erste Erfahrungen am Spieltisch mit den Kleineren? Was ist wichtig zu beachten, wenn ich schon den Jüngsten ein Rollenspiel nahe bringen möchte?

Ralf Kurtsiefer: Wir probieren alles an unserem Sohn aus und ändern dann ab. Bspw. haben wir bei einem Rollenspiel gesagt, er solle eine Aufgabe annehmen, einfach weil die Götter das so wollen … hat nicht geklappt. Also haben wir eine handfeste Belohnung eingebaut. Zur Zeit arbeite ich an einem Abenteuer, das das Gedicht „Die Bürgschaft“ von Schiller vermitteln soll … also spielen und Kultur mitbekommen. Das hat super geklappt … hätte ich vorher nicht gedacht … wird in den nächsten Tage kostenlos zum Downloaden bereit stehen.
Das Ganze hat so viel Spaß gemacht, dass ich über eine Serie von Abenteuern Lyrik goes Rollenspiel nachdenke. Ein Abenteuer, das in Vorbereitung ist, soll „Hänsel und Gretel“ nach Zeit für Helden importieren.

Nandurion: Und nun zu unseren bekannten und beliebten Entweder-Oder-Fragen:
Horasische Musik der Renascentia oder orkische Kriegstrommeln?

Ralf Kurtsiefer: Orkische Kriegertrommeln.

Nandurion: Essen am Spieltisch: Bringdienst oder kochen?

Ralf Kurtsiefer: KOCHEN! Alles vorher vorbereiten und dann in den Backofen schieben … wenn die Helden dann in einer Taverne sind rausholen und als Gericht des Tages präsentieren. Gehacktes in Form einer Dämonenkrone geht auch.

Nandurion: Zu guter Letzt, was wünscht du dir für die Zukunft von DSA?

Ralf Kurtsiefer: Steven Covey hat mal geschrieben: Behandle deine Mitarbeiter so, als ob sie Freiwillige wären, denn im Endeffekt sind sie das, sie geben freiwillig ihr Bestes. Wenn überall, wo Menschen zusammenarbeiten, nach dem Grundsatz verfahren wird, dann kommt immer was Gutes und Kreatives dabei raus. Ich wünsch mir, dass die Rollenspielszene aus der Ecke raus kommt, in die sie manchmal zu Unrecht gestellt wird. Bei Rollenspiel geht es eben nicht um Gewalt, sondern um viel Positives: Fantasie, Kreativität, Interaktion, Gute Geschichten, Kommunikation usw. usw. … aber das wäre ein anderes Interview …

Nandurion: Herzlichen Dank für dieses ausführliche Interview, Ralf.

Das Interview führte Amirwolf.

5 Kommentare zu Interview mit Ralf Kurtsiefer

  1. Peter sagt:

    😀 Das war kein „Komm doch mit auf den Underberg“, das war dies Video hier: CARLSTON RAIDERS – THE RIVER KWAI MARCH (COLONEL BOGEY MARCH) . Das daraus entstandene Stück gefiel mir selber auch sehr gut, aber wir hatten eine Max-Zahl. Das Stück sollte der „Der satyarische Freikorps-Marsch“ werden und klingt auch so … fröhlich, verspielt und leicht undiszipliniert … wie man sich so eine Truppe vorstellen würde 😉

  2. [Zitat]Das war kein “Komm doch mit auf den Underberg”, das war dies Video hier: CARLSTON RAIDERS – THE RIVER KWAI MARCH (COLONEL BOGEY MARCH)[/Zitat]

    *lachtot*

    Sorry, das ist einfach zu herrlich…. 😀
    Faszinierend, das viele Menschen das nur noch als „Underberg“-Reklame kennen.

  3. Theaitetos sagt:

    Hab dem guten Mann gleich Mal ein Wiki-Eintrag spendiert. ^^

  4. Alrik Fassbauer sagt:

    „Zeit für Helden“ hört sich interessant an – so weit ab vom Mainstream …
    Zwei Fragen sind für mich ungelöst (trotzdem danke für das lange Interview) :
    1. Wird es die „Bonus-Tracks“ auch mal auf einem Sampler geben ? (Ich halte nicht allzuviel von MP3 & Co.)
    2. Wie komponiert man überhaupt ? 😉

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