Abschlussbetrachtung RSP-Karneval: Magie und Wissenschaft

RSP Karneval März Magie Wissenschaft LogoLetzten Monat durfte Nandurion den Karneval der Rollenspielblogs ausrichten. Nun ist der März vorbei, also lassen wir ihn einmal Revue passieren und schauen, was sich so an Beiträgen angesammelt hat.

Das Thema lautete Magie und Wissenschaft. Als Verantwortlicher hatte ich mir aus der Liste der Themenvorschläge frecherweise gleich zwei herausgepickt, die mich interessierten: nämlich sowohl Magie als auch Wissenschaft. Beide fand ich für sich genommen jedoch etwas zu weit gefasst und so beschloss ich, ihren (scheinbaren?) Kontrast zum Thema zu machen.

Denn bei diesen beiden Stichwörtern entsann ich mich direkt einer Debatte über Berechenbarkeit und Verwissenschaftlichung von Magie im Rollenspiel, die vor ziemlich genau zwanzig Jahren – also zu Beginn meines Rollenspielerdaseins – zwischen den DSA-Machern Ulrich Kiesow, Thomas Römer und Hadmar von Wieser entbrannte. Eben jenen dreigeteilten Disput mit dem Titel „Magie im Rollenspiel“ stellen wir euch in unserem Karnevalsbeitrag Über die Wissenschaftlichkeit von Magie zur Verfügung, darüber hinaus melden sich dort Thomas Römer und Hadmar von Wieser mit einem Kommentar aus heutiger Sicht erneut zu Wort- noch immer mit unterschiedlichem Blickwinkel auf die Zauberei.

(Frei nach dem Motto „die Letzten werden die Ersten sein“ hat sich unser eigener Beitrag, der sich nur noch knapp in den März gequetscht hatte, nun an den Anfang dieses Reviews geschummelt – was in Anbetracht dessen, dass es auch noch unser eigener Beitrag ist, wohl gleich doppelt zu Buche schlägt. Aber es hat als Überleitung einfach zu gut gepasst, weshalb wir darum bitten, großzügig über diesen Etikettebruch hinwegzusehen.)

Die meisten der weiteren Beiträge lassen sich grob in zwei Lager einteilen: Entweder betrachten sie allgemein die Topoi Magie und Wissenschaft, ihre Stellung zueinander und ihren Bezug zum Rollenspiel oder sie untersuchen ein bestimmtes Rollenspielsetting daraufhin, wie sich Magie und Wissenschaft dort (zueinander) verhalten. Außerdem gibt es noch jene Beiträge, die sich mit einem konkreten Organ der Spielwelt befassen, auf welches das Thema zutrifft.

Allgemeine Analysen

Schon früh im Monat legte RPGnosis mit einer Abhandlung über die historisch gewachsene Beziehung zwischen Magie und Wissenschaft stark vor. Welche Bedeutung diese Überlegungen für das Rollenspiel haben könnte, erfahrt ihr in Magie, Wissenschaft und der sense of wonder.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Craulabesh, der in seinem ebenso umfassenden Beitrag mit dem vielsagenden Titel Der Magier, der Priester und der Philosoph die rollenspielerisch scheinbar unvereinbaren Begriffe Zauberei, Religion und Wissenschaft etwas näher beisammenrückt.

Wem es nach diesem Brocken Theorie jetzt nach etwas Praxisnähe steht, dem sei Magie und Wissenschaft – Widerspruch oder Ergänzung? anempfohlen. Der Meisterperson-Blog dient als Host für diesen Gastbeitrag von Georg Pils (dem Macher von Finsterland), der den Unterhaltungsfaktor beider Aspekte in den Fokus setzt.

Spezielle Settings

Sergey Solomko Fortune-Telling

Sergey Solomko – Der Wahrsager

Es ist sicher eine Binsenweisheit, dass in verschiedenen Settings das Verhältnis von Magie und Wissenschaft unterschiedlich ausfällt. Futuristische alternative Erden können magielastiger sein als so manche Fantasywelt mit mittelalterlichem Einschlag. Wie es in welchem Setting genau ausschaut, wird mit einigen Beispielen dargelegt:

Engors Dereblick verharrt dazu auf Das Schwarze Auge. Er betrachtet Magie und Wissenschaft in Aventurien und erkennt, wie wissenschaftlich die Zauberkunst dort teilweise betrieben wird. Seht selbst!

Noch extremer scheint es bei den folgenden, großteils in der Moderne angesiedelten, Settings zu sein, bei denen hinsichtlich Magie und Wissenschaft vieles grundsätzlich ähnlich, im Detail dann aber doch ganz anders aussieht:

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  • Ebenfalls von d6ideas kommt Karmic Lament, eine Betrachtung von SLA Industries. Dort steht Magie gleichberechtigt neben Technologie und wird dadurch quasi zum Markenprodukt.
  • Ein Rollenspiel mit Blick in die Zukunft ist Arkadiya, bei dem Magie unter anderem als Energiequelle für Technologie herhält. Der Beitrag wird eingeleitet mit einer überblicksartigen Betrachung von Magie und Wissenschaft in diversen Systemen.
  • In Pendragon dient die Magie auch dazu, das Vorkommen eigentlich anachronistischer Technologie mit dann Magischer Technik zu erklären, wie System Matters berichtet. Auf dieser Abstraktionsebene finde ich die Ähnlichkeit zu Arkadiya hier trotz der unterschiedlichen „Epoche“ verblüffend.

Detaillierte Dokumentationen

Sprawldogs erklärt, wie Arkane Studien bei Shadowrun in seiner Runde ablaufen, und stellt im Zuge dessen auch eine Klasse von magischen Gegenständen mit gemeinsamem Hintergrund vor.

Auf Unknown Armies wird für das gleichnamige Rollenspiel die Mechomantie, also die Kunst zur Erstellung magischer Prothesen, beschrieben und auch gleich die entsprechenden Nutznießer mitgeliefert.

Fantasievolle Spiele im Kopf lassen Das Parabotanische Institut der Universität Düsseldorf aus der Überlegung heraus entstehen, wie die Uni wohl vom Erwachen in der Shadowrun-Welt betroffen gewesen wäre.

Auf d6ideas findet man auch noch Angaben zu magischer Flugzeugtechnik, die ihren obigen Artikel zu The Red Star ergänzen.

Vermisste Verrisse

Hier möchte ich kurz darauf eingehen, mit welcher Art Beiträge ich fast schon gerechnet hätte, die es aber dann doch nicht gibt:

Zum einen wären dies Gegenentwürfe gewesen, z.B. über total mystische Magie ohne jeglichen wissenschaftlichen Einfluss (vgl. in gewisser Weise Hadmar von Wiesers Teil unseres Beitrags) oder auch Welten, die komplett auf Wissenschaft beruhen und in denen definitiv kein Platz für Magie ist.

Zum anderen hätten sich in meinen Augen für manche Settings allgemeinere Überblicke des Magie-Wissenschaft-Verhältnisses quasi aufgedrängt:

  • Shadowrun — technisierte Welt, die aus unserer wissenschaftsgläubigen Zeit kommt, aber mit Magie überflutet wurde – sowohl als Betrachtung dieses Gegensatzes, aber auch mit der Frage, wie dogmatisch an die Magie als eventuell neues Wissenschaftsfeld herangegangen wird
  • Splittermond — eine Welt, in der Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckt, aber dafür jedes Kind und jeder Schuster Magie lernen kann … eigentlich momentan in aller Munde
  • auch aus Numenéra hätte man sicher einiges rausholen können

Finales Fazit

Das kann ich ebenfalls maximal kurz halten: Recht wenig Beiträge, wenig Diskussionen. Woran lag’s?

Dennoch waren die Beiträge vielfältig und jeder auf die ein oder andere Weise interessant, sodass wir von Nandurion abschließend jedem wünschen, etwas für sich hilfreiches mitgenommen zu haben.

Über Feyamius

Mein Name ist Daniel und ich spiele seit 1995 DSA, etwa seit dem Umstieg auf DSA4 größtenteils als Meister. Ich bin seit Herbst 2010 ein Nandurion-Blogger und Ansprechpartner für Simias Werkbank.
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4 Kommentare zu Abschlussbetrachtung RSP-Karneval: Magie und Wissenschaft

  1. Danke für die Zusammenfassung!

    Was Hadmar v. W. zu Magie sagt klingt nett, aber: für klassisches Rollenspiel ungeeignet. Zumindest, wenn Magie auch in Spielerhänden liegen kann und dementsprechend sinnvoll geregelt werden muss. Wenn alles irgendwie einzigartig ist, wird Magie schnell auch beliebig (und damit eher uninteressant) oder zum one-trick-pony-Beschneidung-durch-SL-Erforderer (auch nicht gerade ideal). Freute mich aber zu sehen, dass Thomas Römer es immer noch drauf hat und nicht auf seine alten Tage weich geworden ist. 🙂

    Zu Shadowrun hätte ich ebenfalls beinahe noch einen Artikel geschrieben, und zwar über die Auswirkungen, die Magie dort auf die Welt nicht hat, aber haben sollte – beispielsweise endlose Energie durch Lichtzauber, Viertelstundenkontinentalflüge durch Geisterbeschleunigung etc.. Da mein Wissen hier aber dank der inzwischen vorhandenen 5. Edition, mit der ich mich noch nicht ausreichend beschäftigt habe, hier vielleicht schon veraltet ist, habe ich das vertagt…

    Und zu Splittermond kann ohne den Regelband wohl noch nicht genug Substantielles gesagt werden. Das Konzept „Magie für alle!“ klingt auf den ersten Blick schon interessant, aber wie spieltauglich das in der Praxis ist und wie glaubwürdig für die Darstellung des Hintergrunds, das bleibt noch abzuwarten.

  2. Engor sagt:

    Ich könnte mir vorstellen, dass die Resonanz auch an dem komplexen Thema gelegen haben könnte, es ist ja doch eher theoretisch angelegt. Im Vormonat gab es ja das Thema „Zufallstabellen“, zu dem sehr viele Beiträge erschienen sind, weil man es praktisch und theoretisch angehen, eine Zufallstabelle kann man auch schonmal nebenbei ohne allzu viel Aufwand erstellen. Ich habe auch nur eine eher oberflächliche Betrachtung geschrieben, weil man nach meinem Eindruck schon ziemlich profunde in einem System unterwegs sein muss, um sich wirklich kompetent und komplex dazu äußern zu können. ich habe Magie z.B. immer als einen wichtigen Teil von DSA angesehen, aber im Prinzip nie wirklich magiebegabte Helden gespielt und dementsprechend wenig an konkretem Material gelesen, dann kennt man oft auch nur die Basis.

  3. Varana sagt:

    Gerade bei Splittermond sehe ich das wie Andreas – ohne das Regelwerk läßt sich da derzeit gar nichts sagen, und der Weltband ist für dieses Thema ausgesprochen unergiebig.

  4. Michael sagt:

    Wenn es meinen Blog doch damals schon gegeben hätte! Bin gerade in der Übersicht im RSP-Forum auf diesen Karneval aufmerksam geworden. Vor kurzem habe ich noch über das Thema geschrieben, die Frage nach „Sense of Wonder“ und Wissenschaftlichkeit beschäftigt mich auch: http://www.weltenbau-wissen.de/2015/12/magie-weltenbau-magiesystem-mystik-wissenschaft-teil-1/

    Rollenspiele sind ja dazu gezwungen, Magie irgendwie in ein System zu pressen. Bleibt die Frage, wie man dann Magie noch „magisch“ erscheinen lässt. Ich werde auf jeden Fall noch einmal detailliert auf diesen Karneval per Artikel zurückgreifen – so viel guter Input!

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